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Wie es früher einmal warBerichte und Geschichten aus Warmensteinach von Hildegard Heser Kaufhaus Cröniger
Fritz Cröniger, der genau wie Heinrich ein Großonkel von Traudel Rieß war, baute 1903 dieses Anwesen. Das Stammhaus der Crönigers befand sich im “Alten Dorf“ (Reisigbach). Dort betrieb Heinrich Cröniger, wie bereits berichtet, ebenfalls ein Geschäft. Fritz arbeitete als Bauingenieur in Plauen. Nach einen Arbeitsunfall (Sturz von einer Brücke) war er gehbehindert und konnte dadurch seinen Beruf nicht mehr ausüben. Von seinem Arbeitgeber bekam er deswegen eine Abfindung. Er kehrte nach Warmensteinach zurück und eröffnete am damaligen Bahnhof eine Spezerei (= früherer Ausdruck für einen Gewürz- und Lebensmittelhandel). Nach seinem Tod im Jahr 1922 zog sein Bruder Hans Cröniger (Großvater von Traudel Rieß) aus Thüringen wieder in die alte Heimat. Er hatte es dort vom Bäckerlehrling bis zum Meister mit eigenem Geschäftshaus gebracht. Seine Frau Anna stammte aus Hölle bei Hof und musste die Bäckerei im ersten Weltkrieg (1914-1918) alleine weiterführen, da ihr Mann eingezogen worden war. Dieser Laden wurde bis ins Jahr 1931 betrieben. Im selben Jahr errichtete Hans neben dem bisherigen Cröniger´schen Anwesen einen stattlichen Neubau und eröffnete das Kaufhaus Cröniger, das diesen Namen zu recht trug. Denn der Umfang des Warensortiments war in der ganzen Region einmalig. Die Lebensmittel wurden abgewogen und in die von der Kundschaft mitgebrachten, oftmals bereits gebrauchten Tüten abgefüllt. Das Mehrweg – Prinzip ist also keine Erfindung unserer Tage. Die geräucherten Heringe waren eine Spezialität. Sie wurden in Fässern angeliefert. Diese Fässer waren bei der Bevölkerung sehr begehrt. Denn sie wurden, nachdem sie ihren eigentlichen Zweck erfüllt hatten, als Regentonnen im Garten aufgestellt. Zur Beseitigung des Fischgeruchs legte man sie über mehrere Tage mit Steinen beschwert in das Flussbett der Steinach. Bei Cröniger´s gab es ein reichhaltiges Angebot an Lebensmitteln. Verschiedene Obst- und Gemüsesorten, aber auch Wurst- und Käsespezialitäten wurden von Ihnen verkauft. Selbst Baumarktartikel wie z.B. Farben (die damals 50g-weise abgewogen wurden), Schrauben, Nägel, Türbänder, Vorhängeschlösser, Firnis, Terpentin etc. waren dort erhältlich. Und sogar „Bremmeröl“, das Menschen und Rinder vor Stech-mücken schützte, wurde dort verkauft. Heute unvorstellbar ist, dass diese Flüssig-keiten meist in die von den Kunden mitgebrachten, unbeschrifteten Bierflaschen mit Kippverschluss abgefüllt wurden. Manch einer erquickte sich am „Genuss“ eines „guten Schlucks“ flüssigen Einlassöls für Holzfußböden (=Firnis) . Das „Warmensteinacher KaDeWe“ um 1937 Aus einem Inserat von 1939 kann man entnehmen, dass das Haus Cröniger auch ein „Logierhaus“ mit 10 Betten war. Diese Fremdenzimmer gehörten in Warmensteinach zu den ersten mit Zentralheizung. Während des zweiten Weltkrieges gab es für junge Frauen ein sogenanntes „Pflichtjahr“. Auch im Hause Cröniger hatte man sechs Mädchen im Dienst. Es waren z.B. Marie Schödel, Paula Zentner und Luise Murmann, die sich immer eines reichlichen Trinkgeldes erfreuen konnten. Bemerkenswert ist noch, dass in der unmittelbaren Nachkriegszeit 1945 die gesamte Familie Conrad, Besitzer des Hotel Krug, aus ihrem eigenen Haus ausquartiert und ein halbes Jahr lang bei den Crönigers untergebracht war, da das Hotel als Unter-kunft für die amerikanischen Besatzungstruppen diente. Nach dem Tod von Hans Cröniger übernahmen 1958 Jenny und Konrad Krodel das Geschäft und führten dieses erfolgreich weiter. Tochter Traudel war als gelernte Ein-zelhandelskauffrau selbstverständlich im Geschäft mit tätig. Bis zur Schließung des Kaufhauses im Jahr 1974 wurden sogar Lehrlinge ausgebildet. Helena Neukam aus Grassemann, die heute mit dem Bürgermeister Walter Lampe in Clausthal-Zellerfeld verheiratet ist, erinnert sich noch immer gerne an ihre Lehrzeit. Öfters musste sie auf die Spazierstöcke der Gäste ein Stockschild aufnageln. Weiter erzählt sie, dass Traudel Rieß immer eine freundliche, kompetente Vorgesetzte war und dass immer ein familiäres Betriebsklima herrschte. Von 1974 bis 1994 waren die Räume an die Steinach-Apotheke vermietet. Anschließend befand sich darin ein Sonnenstudio. Im ehemaligen Laden von Fritz Cröniger sind heute ein Friseursalon und ein Versicherungsbüro untergebracht. Einkaufen - DamalsElise Walter Kaufen in der „Höll“ (Prechtl)Ludwig und Johanna Prechtl, die Eltern unseres legendären Altbürgermeisters Josef Prechtl, betrieben in Oberwarmensteinach Nr. 1 bereits Anfang Transporter aus Unterfranken holte, war Josef Prechtls Spezialgebiet. „Höll Hohna“ genannt, war bis ins hohe Alter mit im Geschäft tätig. Sie war sehr geschäftstüchtig und erfreute sich großer Beliebtheit. Sie lieferte das frische Obst und Gemüse, teilweise mit einem Huckelkorb auf dem Rücken, in die verschiedenen Orts-teile aus. Bis weit in die 60er Jahre fuhr sie zweimal pro Woche mit dem Zug nach Bayreuth, um Extrawünsche der Kunden, wie z.B. Blumen für die Grabbepflanzung, zu erfüllen. In Ämtern Feinkost FinkDie Familie Fink stammte aus Chodau einer Industriestadt in der Nähe von Karlsbad im Egerland. Frau Klara Fink und die Mutter von Erika Herrgott waren Schwestern, Erikas Mutter starb 1945 und ihr Vater kehrte nicht mehr aus dem 2. Weltkrieg zurück. Erika war für die Finks immer wie eine Tochter und stand dem zwei Jahre jüngeren leiblichen Sohn Fred in nichts zurück. Erika sagte mir auf humorvolle Art, dass sie mit den Finks am 7.10.1945 um 12.00 Uhr in Warmensteinach einmarschiert ist. Am 12.7.1946 eröffnete Adolf Fink einen Feinkostladen in der Bahnhofstraße, dieser Kiosk wurde überwiegend aus Barackenteilen errichtet und stand zwischen dem ehemaligen Postamt und dem Fotogeschäft Röthel. Dort begann Helga Tarmann 1956 ihre Lehre zur Einzelhandelskauffrau und erinnert sich an die nicht immer leichte Zeit, ob im unteren oder später im oberen Kiosk. Ihr Chef wies auf das altes Sprichwort hin-Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Im Holzkiosk der Badstraße war es eiskalt. Ein Wasseranschluss war nicht vorhanden. Bei Bedarf wurde das Wasser vom Nachbarn Schimmer geholt und mit einem Tauchsieder erwärmt, Telefongespräche wurden ebenfalls dort geführt. Die Inventur wurde mit der Hand gemacht und dauerte tagelang. Dieser Kiosk war unterkellert und hatte unter dem Ladentisch eine Falltür die in den Keller führte. Großgebinde wurden dort gelagert. Bier wurde noch Flaschenweise verkauft und man musste oft in den Keller steigen, da der Verkaufsraum klein war. Unter den Heimatvertriebenen war ein großer Zusammenhalt, so kaufte Fink seine Räucherwürste vom Landsmann Worm, der in Fichtelberg seine Metzgerei hatte. Konditor Zimmermann lieferte frische Krapfen. Jeden Dienstag kam das Fischauto aus Hof und brachte Bücklinge, geräucherte Heringe und Sprotten. Vormittags kauften die Hausfrauen täglich zur selben Zeit ein. z. B. „ Powidl“ – Pflaumenmus davon 10 „Deka“ das sind 100g. (Böhmische Ausdrücke).. Das nahegelegene Schwimmbad wurde von Feinkost Fink beliefert-500g Hartwurst kosteten 2,50 DM. Helga Tarmann ging in der Mittagspause zum Laden in der Bahnhofsstraße und machte Meldung was unten fehlte. Die Waren wurden nach Bedarf hin und hergefahren. Etwas Besonderes war eine Mohnmühle, die einzige in Warmensteinach und Umgebung. Die Kundschaft brachte den Mohn, den sie anderswo gekauft hatte mit –Adolf Fink sagte „Tut doch nix, lassen wir durchlaufen“ mit der Hoffnung auf einen Einkauf . Er grüßte und verabschiedete seine Kundschaft immer sehr höflich mit „Grüß Gott, habe die Ehre. Auf wiedersehen - Kommen sie bald wieder“ 1964 benötige das Fotogeschäft Röthel das Grundstück in der Bahnhofstraße. So baute die Familie Fink in der Badstraße ein Wohnhaus mit Laden. Erika Herrgott, die heute im Seriorenheim in Weidenberg lebt , war in beiden Läden sehr aktiv, direkt, offen und ehrlich. Bis 1990 war sie für die Kundschaft da, bestellte Ware, die auch geliefert wurden und wie damals üblich, hatte der Laden immer offen. Fred Fink der Sohn des Hauses war Zahntechniker und eröffnete in Coburg ein Geschäft . Die frischen Räucherwürste waren vom Feinsten und wurden bis hinter Kulmbach gefahren und auf halber Strecke im Wirtshaus Schwarzach umgeladen , damit man in Coburg auch etwas Gutes zu essen hatte. Einkaufen bei der „Wassermaich“Einkaufen bei der „Wassermaich“ (Margarete Zwenzner) und ihrer Tochter, Mit dem Bau der Eisenbahn ab dem Jahr 1892 bekam Sie den Platz für eine kleine Bretterbude am Ladehof zugeteilt. Ihre Tochter Margarete Rabenstein, auch „Wassermaich“ genannt, heiratete 1913 ins Anwesen „Im Grund“ 74 ein und hieß fortan Zwenzner. In ihrer Bude wurden z.B. 6-Pfund -Brotlaibe für die damaligen Großfamilien verkauft. Knack-, Leber- und Blutwürste kosteten pro Stück 10 Pfennig. Ein Räucherhering kostete ebenfalls 10 Pfennig, ein Brathering 12 Pfennig. Die Kunden kauften nur das Nötigste, da ihr Einkommen sehr niedrig war. Viele Einwohner sammelten als Zubrot Schwarzbeeren, Preiselbeeren und Pilze, die sie korbweise anlieferten. Für 12 Pfennige pro Pfund wurden die gesammelten Waldfrüchte von der „Wassermaich“ angekauft, in Kisten verpackt und mit der Bahn bis ins Rheinland verschickt. 1924 teilte ihr die Bahn ein schönes Plätzchen für einen neuen Kiosk zwischen Bahnhof und Straße zu, woraufhin sofort mit den Bauarbeiten begonnen wurde. Mittwochs und samstags fuhr die „Wassermaich“ mit dem Frühzug um 06.00 Uhr nach Bayreuth. Dort besorgte sie frische Ware wie Obst, Gemüse und Blumen. Ferner beschaffte sie für ihre Kunden Stoffe und sogar Medizin. Selbst nötige Behördengänge erledigte sie für ihre Mitbürger. Wegen der „Sommerfrischler“ erweiterten sie ihr Sortiment. Ab jetzt waren Pralinen, Schokolade, Zeitungen, Reiseandenken und Ansichtskarten im Angebot. Das einheimische Fachgeschäft Foto Röthel hatte dort auch eine Annahmestelle für Filme eingerichtet. Johann Köhler half bereits Anfang 1950 in der Bahnhofsgaststätte mit, die von der Fam. Zwenzner seit 1948 bewirtschaftet wurde. Bis 1961 führte die „Wassermaich“ die Kasse. Danach ging dieses „Amt“ an Hanni über. Für festliche Anlässe wie z.B. die Weihnachtsfeiern der „Glaswerke“ lieferte Hanni zahlreiche Präsentkörbe. Wolfgang Bauer machte seine Lehre im Feinkostgeschäft. Er wurde von den Gleichaltrigen „Fischlalabla“ genannt, da er die Semmeln belegte. Das Geschäft in der Bahnhofsstraße wurde 1991 und der Kiosk 1992 geschlossen. Johann Köhler, der uns allen als freundlicher und geschäftstüchtiger Mann bekannt war, starb 1999. |
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